AUTOSCHAU
Vom Mini bis zum Motorrad
Von Anja Musick, 28.06.10, 18:26h, aktualisiert 28.06.10, 18:36h
Rund 200 Fahrzeuge gab es beim Aktionstag „Wheels in Motion“ der Sportfahrer-Gemeinschaft (SFG) Bergheim in Elsdorf zu sehen. Das waren weniger als von den Veranstaltern erwartet.
Arno Haimerl aus Elsdorf liebt Harleys, die bei „Wheels in Motion“ präsentiert wurden. Die Motorräder seien Kult.
ELSDORF Auf dem Parkplatz vor dem großen Einkaufsmarkt in Elsdorf gibt es kaum Schatten. Die heiße Mittagssonne brennt unerbittlich auf Motorhauben, schwarze Ledersitze in geöffneten Cabriolets und Köpfe. „Vielleicht sind diese Temperaturen Schuld daran, dass rund 100 Teilnehmer weniger als erwartet da sind“, überlegt Michael Richter laut. „Und natürlich das Fußballspiel.“
Der Vorsitzende der Sportfahrer-Gemeinschaft (SFG) Bergheim zählt beim Aktionstag „Wheels in Motion“ 200 Fahrzeuge. Von ganz oben sind diverse Lücken auf dem Parkplatz zu sehen. Feuerwehrmann Roland Hellenthal aus Elsdorf hat Richter mit dem neuen Hubkran rund 20 Meter nach oben befördert. In der Ferne pustet das Kraftwerk Niederaußem die einzigen Wolken in den ansonsten stahlblauen Himmel.
Dramatisch seien die Zahlen aber nicht. Die erste richtig große Veranstaltung des 2003 gegründeten Bergheimer Vereins kann sich wirklich sehen lassen. Mitglieder der Deutschen Verkehrswacht sind da. Sie haben etwa einen Überschlagsimulator mitgebracht, in dem Besucher testen können, wie sich so ein Purzelbaum im Auto anfühlt und was man tun muss, um Schlimmeres zu verhindern.
Die Malteser aus Elsdorf und Bergheim sind mit vielen Fahrzeugen gekommen. Diverse Fahrschulen werben vor Ort. Und ein Club, der mit umgebauten Volkswagen Rennen fährt, gewährt Einblicke. Ein zu einem Partybus umgebauter amerikanischer Schulbus zieht alle Blicke auf sich. Im Inneren drehen sich Discokugeln. Auf der Bühne werden Schlager gesungen. Im Mittelpunkt stehen aber die Besucher, die scharenweise in ihren Karossen anrollen. Jeder Autoliebhaber kann mitmachen. Die Veranstaltung sei „markenoffen“, sagt der Vorsitzende. So sind viele unterschiedliche Fahrzeuge zu sehen, Minis, schrill lackierte Kleinwagen, mit teuren Polstern und Musikanlagen ausgestattete Mittelklassewagen, Motorräder, Luxuslimousinen und Oldtimer.
Die Autofahrer können ankreuzen, unter welchen Aspekten eine Fachjury ihren chromblitzenden Liebling begutachten soll: Schönster Kofferraum, Multimedia-Anlage, schönste Lackierung, Oldtimer oder Allgemeinzustand. Die Kategorie „Girls-Car“ lässt stutzen. Ja, tatsächlich gucken sich die Männer auch Wagen an, die nur von Frauen gefahren werden. Wahrscheinlich zählen sie Kratzer und Dellen und wer die wenigsten hat, ist Siegerin.
Besonders protzig wirkt der BMW von Helmut Hilgers aus Köln. Der hat ein Serienmodell komplett umbauen lassen. Der BMW, der in der Tuning-Szene als „Golden Tiger“ bekannt ist, hat vergoldete Applikationen. Sogar das Bordwerkzeug ist vergoldet. Tiger mit Brillanten in den Augen verzieren die Karosserie. Das Auto hat Flügeltüren, mehrere Bildschirme, eine Multimedia-Anlage und edle Lederpolster. „Den Wagen kann ich auf der Domplatte stehen lassen. Da kommt kein Kratzer dran“, sagt der Autofreak. Alle näherten sich der rund 100 000 Euro teuren Nobelkarosse mit Respekt. „Und geklaut wird so ein auffälliges Auto auch nicht.“ Wozu braucht man denn so viel Luxus? Da überlegt er nicht lange: „Man lebt doch nur einmal.“
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Wheels in Motion
Dach wie ein Kampfjet
Von Thomas Schubert, 28.06.10, 12:27h
Bei "Wheels in Motion" buhlten am Wochenende Tuning-Schlitten um Pokale. Wie ein Anschlag auf die Nerven eines TÜV-Prüfers nimmt sich der buntscheckige Donnerkeil von Volker Klein aus - aber es ist nicht der einzige skurille Wagen.
Selbstgebastelter Donnerkeil: Volker Kleins "Nova" war der auffälligste Bolide, den die Sportfahrergemeinschaft auf dem Elsdorfer Supermarktparkplatz beurteilen durfte. ELSDORF Flügeltüren am Cabrio? Gehören längst zum Standard. Lackierungen, die ob ihrer Schrillheit im Tierreich jeden Fressfeind abdrehen ließen? Für Pokalaspiranten fast schon Pflicht. Und bevor die prüfenden Juroren-Blicke an armdicken Auspuffrohren, vergitterten Kühlerschlünden und von anderen Fahrzeugmodellen transplantierten Frontleuchten hängen bleiben, gehört auch der letzte Dreckspritzer am Spoilerfortsatz wegpoliert.
Doch all die aufgedonnerten Opel, Volkswagen und BMW lassen sich beim besten Willen nicht mehr so weit individualisieren, um an das skurrilste Gefährt des "Wheels in Motion" heranzureichen. Wie ein Anschlag auf die Nerven eines TÜV-Prüfers nimmt sich der buntscheckige Donnerkeil von Volker Klein aus, dieser aus mannigfaltigen Organen zusammengefügte Eigenbau, der noch nie vom Platz geschossen ist, ohne sich einen Pokal verdient zu haben. "In irgendeiner Kategorie gewinnt meine Nova immer", behauptet der Konstrukteur aus Bonn und erklärt die Abstammung der Teile: Bodenplatte vom Käfer, Motor vom Golf GTI, Seitenschweller von Ford. Und das kampfjetmäßig hochschwingende Dach? "Das funktioniert mit einer Hydraulik vom Gabelstapler", sagt Klein.
Bis sich Daniela Pribel und die Juroren der Bergheimer Sportfahrergemeinschaft zu diesem Prüfstein des "Show & Shine-Contests" vorgearbeitet haben, sind sie schon reichlich abgehärtet. "An solchen Autos ist halt nichts normal", bekennt Eric Helbach, als sich ein Glühbirnenwechsel mit deutschen Lämpchen an seinem Ami-Schlitten als unmöglich erweist. Die Mitfahrten im 1955er Ford Pickup seiner Gattin Monika hatte er so satt, dass er sich in Belgien einen Plymouth Satellite besorgte - "ich wollte nicht immer nur Beifahrer sein".
Andere ans Steuer lassen muss an diesem Tag jeder, der auf dem Leistungsprüfstand der Firma "NOS2.de" die Anzahl der Pferdestärken seines Lieblings prüfen möchte. Es dröhnt gewaltig, während der Prüfer Manuel Gerbers Honda Civic in den Drehzahlbegrenzer jagt. Als sich die Vorderräder auf der Rolle genügend verausgabt haben, verkündet der Bildschirm 171 PS statt der serienmäßigen 160. Bei Manuel mischt sich Freude mit Verblüffung. Seine Erklärung: "Das liegt wohl am neuen Auspuff Marke Eigenbau."
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